29.12.2012

Stromnetze intelligent steuern

Energiewende: PSI-Software aus Aschaffenburg unterstützt die Nutzung von Elektrizität aus Sonnen- und Windkraft.

Die Energiewende stellt die Netzsystemsteuerung vor neue Herausforderungen. Wurde früher aus einem großen Kraftwerk Strom ins Netz eingespeist und zum Kunden transportiert, liefern heute viele kleine Erzeuger Strom aus Sonnen- und Windkraft, der ins Netz fließt, egal ob er gerade gebraucht wird oder nicht. Oft wird in Deutschland der Strom auch aus erneuerbaren Energiequellen mit Software des Unternehmens PSI gesteuert.

Ob Elektrizität, Öl, Gas, Wärme oder öffentlicher Personennahverkehr. Die Netzwerke und Ihre Steuerung ähneln sich, erläutert Wolfgang Dreger. Der Diplom-Ingenieur ist bei PSI-Energie EE für den Vertrieb zuständig und stolz darauf, dass es in Deutschland kaum ein großes Netz gibt, das noch mit Hilfe von Software aus Aschaffenburg gesteuert wird.

Viele Stadtwerke als Kunden

Neben Transport- und Verteilnetzbetreibern gehören auch viele Stadtwerke zu den PSI-Kunden. „Normalerweise wird die Software bei Kunden mit mehr als 200000 Verbrauchern eingesetzt“, sagt Dreger. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Auch das Aschaffenburger Stromnetz ist PSI-gesteuert.

(…) In den Städten entstehen oft Querverbünde, beispielsweise in München, wo Wasser, Abwasser, Stromversorgung und die Straßenbahn auf raumfüllenden Bildschirmen überwacht werden können. Beim Strom muss die Netzsteuerung neue Aufgaben erfüllen. Wurde sie früher dazu eingesetzt, Fehler – zum Beispiel Kurzschlüsse - schnell zu erkennen und zu beheben, ist sie jetzt auch gefordert, den ins Netz eingespeisten Strom optimal zu verteilen. Und dabei gibt es die gesetzliche Vorgabe: Erneuerbare Energien haben Vorrang.

Auch wenn jetzt aus vielen verschiedenen Quellen Strom ins Netz fließt, können die Leitungen, nicht unendlich erweitert werden. „Stellen Sie sich ein Energienetz vor wie eine Autobahn. Die können Sie auch nicht beliebig verbreitern“, sagt Björn Geisler. Der promovierte Ingenieur ist Bereichsleiter Scada (Supervisory Control and Data Acquisition) bei PSI in Aschaffenburg. Er stellt anhand einiger Beispiele vor, wie intel1igente Netzsteuerung heutzutage funktioniert.
So kann es vorkommen. dass ein Netz auggrund großr Mengen von Windenergie überlastet ist. Der Laie geht davon aus, dass dann Windräder stillstehen müssen. Doch erst prüft das System andere Möglichkeiten. So kann es durchaus sein, dass aufgrund des starken Windes die Temperatur gesunken ist. Die Leitungen können mehr Strom verkraften, wenn sie gekühlt werden. Folglich, so Geisler, schlägt das System vor. die Leitungskapazität zu erhöhen.

Auf Expansionskurs

Wenn das nicht reicht, können Ströme auf andere Trassen umgeleitet werden. Aufgrund der Vorgabe, erneuerbaren Energien den Vorrang zu geben, wird auch geprüft, ob Kraftwerke herunterzufahren sind. Wenn Windräder dennoch stillgelegt werden müssen, analysiert das System, wer den größten Einfluss auf den Engpass hat. „Ohne elektronische Datenverarbeitung funktioniert der Umschwung auf erneuerbare Energien nicht, sagt Wolfgang Dreger. (…)

Auszüge aus Main Echo vom 29.12.2012